Single view
Die Enststehung des Computers
Computer sind doof! Der Satz prägte die frühen 80er-Jahre wie kaum ein anderer. Gerade in den friedensbewegten Zeiten vor 20 Jahren
Die wilden 80er
Computer sind doof! Der Satz prägte die frühen 80er-Jahre wie kaum ein anderer. Gerade in den friedensbewegten Zeiten vor 20 Jahren galt der Computer als Ausgeburt des "Großen Bruders", als Werkzeug böser Militärstrategen. Computer waren da, um Raketen zu lenken. "1984" ließ grüßen.
Akustisch schmetterte eine ganze Generation ihr blumenbekränztes "We shall overcome" entgegen - ohne je einen Computer gesehen zu haben. Aber es half nichts. Schon bald gaben die Synthesizer von Depeche Mode und Konsorten den Ton an, bereits 1982 war der PC zum "Mann des Jahres" gekürt worden (Bild). Und was dann kam, gleicht einer Revolution.
Erinnern Sie sich noch an Pac Man und den ersten PC, den man sich leisten konnte - natürlich "IBM-kompatibel"? An Telefonkarten und die ersten Handys? An den Walkman, an die ersten CDs? An die Mailboxen, die Vorläufer des Internet? An die ersten Hacker, die die Bundespost zur Weißglut brachten? An Btx?
DOS-Befehl, Lochkarte und Pickelgesicht
Das Jahrzehnt des PC. Erste Erfahrungen sammelt man Anfang der 80er in der Schule oder an der Uni - im unvermeidlichen "Zip-Pool". Denn zuhause hat noch niemand eine dieser neuen Wunderkisten aus Amerika.
Und wer sich in der Computer-AG anmeldet, wird erst mal mit der guten alten Lochkarte traktiert. Schließlich soll man als zukünftiger Informatiker gleich mit den Grundlagen vertraut werden. Und danach wird programmiert, so richtig mit Nullen und Einsen.
Die Computermaus ist längst noch nicht auf dem Markt, Computerbefehle erzeugt man per Tastatur und Tasten wie "F2", "F3" und "F4". Mit welchen Befehlen die Tasten belegt sind, lernt man auswendig - oder legt sich einen Streifen Papier in die dafür vorgesehene Mulde in der Tastatur. Und: Ohne DOS-Befehle geht es nicht. Man lernt den Unterschied zwischen "/" und "\".
Dass man einen Computer auch anders als für Grundlagenforschung benutzen kann, daran denken Anfang der 80er die wenigsten. Es gibt ja auch kaum Software, die einen auf solche Ideen bringt. Word für Windows kommt erst 1989!
"Computern" ist Selbstzweck, wer es tut, ist ein "Nerd" und sieht auch so aus. Pickelig, langweilig angezogen und mit Brille. Wer sich sonst für Computer interessiert, gewöhnt es sich schnell wieder ab - zu kompliziert und unsexy, das Ganze.
Timeline: Die Geschichte der Computer in den 80ern
1981: IBM bringt seinen ersten "Personal Computer" auf den Markt, der auch den parallel existierenden "Heimcomputern" bzw. "Mikrocomputern" seinen neuen Namen aufstempelt: PC. Das Betriebssystem heißt MS-DOS und kommt von einer Firma namens Microsoft. Aufbau und Architektur des PC werden weltweit Industrie-Standard. Kenner bemäkeln das System als "zweite Wahl", aber die begeisterten Kunden reißen sich darum und machen den IBM-PC zum weltweiten Standard. In den frühen 80ern heißt der Insider-Tipp für kaufwillige Computerfreaks: IBM-kompatibel muss er sein.
1982: Der Commodore 64 kommt auf den Markt . Mit mehr als 20 Millionen verkauften Exemplaren hält er vermutlich noch heute den Weltrekord - auf jeden Fall ist der erfolgreichste Computer der 80er.
1982: Im Kino läuft der Film "Tron", der teilweise in einem Computer spielt und für damalige Verhältnisse atemberaubende computeranimierte Szenen zeigt.
1982: Das "Time Magazine" kürt den PC zum "Mann des Jahres"
1983: Microsoft Word für DOS kommt auf den Markt
1984: kommt der Apple Macintosh: Auf dem Monitor sieht man Icons und Fenster, die Bedienung erfolgt standardmäßig per Maus. Das Problem: Apple kommt damit zu spät, die Schlacht um die Büros ist verloren. Aber die grafische Oberfläche macht den Mac wenigstens zum idealen Werkzeug für Grafiker und "Desktop Publisher". Für Aufsehen sorgt die Werbung für den Mac während einer Werbeunterbrechung im Super-Bowl (Football-Endspiel).
1984: William Gibson bringt seinen wegweisenden Roman "Newromancer" heraus. Ein Typ namens Johnny Mnemonic speichert sich darin heikle Daten in Gehirnchips. Das Wort "Cyberspace" wird geboren - ein Synonym für das sich ausbreitende Internet.
1985: Windows 1.0 kommt auf den Markt - auch Microsoft macht jetzt von der "Fenstertechnik" Gebrauch.
1985: Commodore bringt seinen Amiga auf den Markt.
1989: Microsoft Word für Windows kommt.
56 Kilobit pro Sekunde: Highspeed in den Anfängen
Kaum einer weiß es, aber vernetzte Computer gibt es in den 80er-Jahren schon lange. Eigentlich schon seit den späten 60ern, aber das bemerkt die deutsche Öffentlichkeit erst später.
Computernetze sind in den frühen 80ern vor allem Werkzeug und Spielwiese für Militärs und Wissenschaftler, die sich in kleinen, voneinander abgegrenzten Computernetzen organisieren (Arpanet, Bitnet, Usenet, NSF-Net etc.)
Übertragungsraten von 56 Kilobit pro Sekunde gelten Mitte der 80er in Wissenschaftskreisen als Highspeed - heute ist das Schneckentempo und wird von jedem Modem geleistet.
Privat entwickelt sich in den 80ern die so genannte Mailbox- Szene. Man wählt eine Nummer, legt den Telefonhörer in den Akkustikkoppler und kann auf elektronischen Schwarzen Brettern (Bulletin Boards) Informationen abrufen oder hineinschreiben. Bilder gibt's noch nicht und es ist teuer.
Tim Berners-Lee erfindet das WWW
ie ersten Hacker (zum Beispiel des Chaos Computer Clubs) führen die Deutsche Post (heute: Telekom) hinters Licht, indem sie ihre Telefonrechnung fälschen. Oder sie dringen in fremde Rechner ein. Sogar Viren werden über die Datenleitungen verbreitet.
Erst im Laufe der 80er-Jahre schließen sich die vielen kleinen Teilnetze im großen weltweiten Internet zusammen - das Netz aller Netze ist da, alle machen mit. Technische Grundlage dafür ist das Internet-Protokoll TCP/IP. Man schickt sich Dokumente und Nachrichten hin und her, die man E-Mails nennt. Man unterhält sich im Usenet in so genannten Newsgroups (Foren). Oder man überträgt Daten via FTP (File Transfer Protocol). Die ganze Welt wird ein Schwarzes Brett.
Ende der 80er-Jahre entwickelt Tim Berners-Lee (Bild) in der Schweiz das auf Hypertext basierte World Wide Web (WWW) - es wird aber erst 1991 Bestandteil des Internet.
Timeline: Die Geschichte des Internet in den 80ern
1981: Der Chaos Computer Club entsteht um 1981, 1986 wird er eingetragener Verein.
1983: entsteht das Fido-Net, das erste von staatlichen Einrichtungen unabhänge Computer-Netzwerk der Welt.
1984: Die Deutsche Bundespost führt das Daten- und Textübertragungssystem Btx (Bildschirmtext) nach jahrelangen Feldversuchen flächendeckend ein - der technische Standard heißt Cept. Die rudimentäre Blockgrafik wird zum Synonym für deutsche "Fortschrittlichkeit".
1986: Tschernobyl. Über die Mailbox GeoNet verbreiten Wissenschaftler Messdaten, die sonst nicht an die Öffentlichkeit gelangt wären. Greenpeace greift sie auf, der Medienrummel beginnt (Quelle: Peter Glaser, 24 Stunden im 21. Jahrhundert).
1987: Der so genannte "NASA-Hack" macht Schlagzeilen. Mitglieder des Chaos Computer Clubs verschaffen sich Zugang zu mehr als 100 Computern, die Teil eines weltweiten Netzwerks sind. Die Öffentlichkeit staunt über dessen Existenz.
1988: Der nach seinem Erfinder benannte Morris-Wurm (auch "Internet-Worm" genannt) legt das Internet lahm, das damals aus 60.000 Rechnern besteht.
1989: Deutschland legalisiert in einem neuen Poststrukturgesetz die Übertragung von Daten aus einem Computernetz in ein anderes.
Walkman, CD und Privatfernsehen
Elektronik macht das Leben nicht nur leichter, sondern auch schöner. Die 80er Jahre brachten uns Klassiker, die zu einem guten Teil für das Lebensgefühl dieser Zeit stehen.
Jugendliche stolzieren mit dem Walkman durch die Straßen und hören die am Radio mitgeschnittenen Kassetten. Die CD gibt es auch schon, noch ist sie aber absoluter Luxus. Immerhin: 1983 in Europa eingeführt, löst die CD im Jahre 1989 die LP als Tonträger Nummer eins ab.
Auch Sandmännchen und Sesamstraße bekommen gewaltige Konkurrenz. Bunt wird der Bildschirm durch Videospiele wie das Atari VCS 2600. Informieren kann man sich jetzt auch über Videotext. 1985 braucht die Fernbedienung dann mehr als drei Tasten: Die Privatsender RTL Plus und SAT 1 gehen auf Sendung.
Auch Videorekorder gewinnen an Bedeutung. Sony stellt 1986 ein Gerät vor, das zeitversetzte Aufnahmen des Fernsehprogramms ermöglicht.
Dass CDs nicht nur für Musikliebhaber praktisch sind, wird der Industrie schnell klar. Sie eignen sich auch für den Einsatz am PC. Schon 1985 gibt es die erste CD-ROM, 1987 wird der Prototyp einer wiederbeschreibbaren CD vorgestellt. Die geeigneten Geräte zum Brennen lassen freilich noch auf sich warten.
Derweil sind Videospiele weiter auf dem Siegeszug. Nintendo gelingt der große Wurf mit der Konsole "NES" und dem Nachfolger "Super NES". Der portable "Game Boy" ermöglicht es, auch unterwegs zu zocken. Als Spiel im Lieferumfang ist der Klötzchen-Klassiker "Tetris" enthalten.
Timeline: Die Geschichte der Unterhaltungselektronik in den 80ern
1979: Philips und Sony präsentieren die ersten Musik-CDs (Compact Discs). Nach Europa kommt die CD 1983.
1979: Sony bringt den Walkman, der in den 80er das Straßenbild verändert.
1980: Sony präsentiert den Prototypen des ersten Video-Camcorders. Nach und nach verdrängen sie die gebräuchlichen Super-8-Filmkameras.
1980: Videotext wird von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten eingeführt.
1981: Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts sind Privatfernsehen und privater Hörfunk gesetzlich prinzipiell erlaubt.
1981: Atari stellt die Spielekonsole VCS 2600 als Nachfolger des VCS vor.
1983: Die CD erobert das Auto: Prototypen von eingebauten Compact-Disc-Spielern werden von Philips und Blaupunkt vorgeführt.
1984: Das Kabelfernsehen startet mit dem legendären "Kabelprojekt Ludwigshafen". Gleichzeitig beginnt in Deutschland die Ära des so genannten "Privatfernsehen". Den Anfang macht Anfang 1985 SAT1.
1985: Der private TV-Sender RTL Plus geht auf Sendung.
1985: Sony präsentiert den ersten tragbaren CD-Player.
1985: Die erste CD-Rom kommt auf den Markt - sie enthält die Titel der Kongress-Bibliothek in Washington.
1985: Die europäische Industrie präsentiert die ersten Geräte für den TV-Satelliten-Direktempfang.
1986: Sony erhält einen Emmy-Award für die Entwicklung eines Video-Rekorders mit zeitversetzter Aufnahmeprogrammierung.
1987: Im März bringen die japanischen Unternehmen Aiwa, Hitachi, Sharp, Sony und Matsushita die ersten DAT-Recorder als Heimgeräte für etwa 2.500 DM auf den japanischen Markt.
1987: Thomson präsentiert eine wiederbespielbare CD.
1988: Das Radio Daten System (RDS) erleichtert den Empfang und verbessert die Erkennung von Hörfunksendern.
1989: Das erste serienreife Navigationssystem von Blaupunkt wird vorgestellt.
1989: Der CD-Absatz überflügelt erstmalig den der Langspielplatten. Im ersten Halbjahr wurden in der Bundesrepublik Deutschland rund 21 Millionen CDs und 19 Millionen LPs abgesetzt.
1989: Nintendo vermarktet das tragbare Videospielsystem "Game Boy" mit einer Umsetzung des Computerspiels "Tetris".
Quelle : RTL world
